Iris: Hallo Basilius!

Basilius: Grüß dich, Iris!

Iris: Jetzt freue ich mich darauf, mit dir über den ersten Abschnitt des Großen Glaubenskbekennt-nisses zu sprechen.

Basilius: Ach ja, wir hatten es doch auch mit dem "Kleinen" Glaubensbekenntnis. Hat es dich begleitet?

Iris: Durchaus. Und jetzt bin ich neugierig auf das "Große"!

Basilius: Es beginnt schon spannend: Wir glauben.

Iris: "Credo" heißt ja: Ich glaube, oder: Ich gebe mein Herz. Nun wird hier das Bekenntnis des Glaubens ein gemeinschaftliches?

Basilius: Das drückt etwas Wunderbares aus: Wir sind im Glauben nicht allein, sondern bilden eine große, ja weltweite Gemeinschaft!

Iris: Das ist wirklich immer wieder eine wunderbare Erfahrung, ein Geschenk, wenn wir das erleben dürfen. Besonders bei großen Events wird das spürbar!

Basilius: Da stimmt, doch es wäre traurig, wenn diese Erfahrung auf Großereignisse beschränkt bliebe. Du kannst das auch in einer noch so kleinen Gemeinschaft erleben. Du weißt ja: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."[1]

Irsi: Gott sei Dank, dass es so ist! Nun bekennen wir also gemeinsam unseren Glauben - an wen oder was?

Basilius: "An den einen Gott" - und das ist schon eine starke Aussage!

Iris: Das ist zugleich Bekenntnis und Absage - Bekenntnis, dass es nur dein einen Gott gibt; Absage an die Mei-nung, dass es irgend etwas Höheres schon geben wird, irgendwelche guten Geister oder eben auch verschiedene Götter, wie sie in der Antike und auch heute noch in so manchem Stamme-sglauben verehrt wurden und werden.

Basilius: Der "eine" Gott besagt auch, dass in Gott Einheit ist, dass er in sich eins ist, in sich ruht, in sich glücklich ist, eben eins mit sich.

Iris: Wir teilen diesen Glauben an den einen Gott mit den Juden und den Muslimen - bis hierher könnten also auch Andersgläubige mitbeten?

Basilius: Stimmt. Doch der christliche Charakter unseres "Credo" wird sehr bald klar.

Iris: "Wir glauben an den Vater" - das erinnert schon sehr an Jesus, der Gott ganz liebevoll "Abba - lieber Vater" genannt hat.

Basilius: Du findest das Bild vom Vater durchaus auch im Alten Testament, in den Psalmen zum Beispiel. Dennoch hat es für Jesus und damit für uns Christen einen besonderen Klang.

Iris: Ein Vater hat Kinder, ein Vater sorgt liebevoll für die Kinder, ihm kann ich vertrauen, zu ihm kann ich aufschauen, von ihm darf ich Hilfe, Unterstützung, Stärkung erwarten.

Basilius: Das heißt auch, dass es zwischen Vater und Kind eine per-sönliche Beziehung gibt.

Iris: Leider ist es doch oft so, dass die menschlichen Erfahrungen so manchem den Weg zum Vater im Himmel verstellen. Wie soll jemand, dessen Vater nicht präsent war, der sich kaum um seine Kinder gekümmert hat oder noch schlim-mer: ihnen Schaden zugefügt hat, wie soll solch ein Mensch an einen liebenden Vater im Himmel glauben können?

Basilius: Du hast recht. das kann eine echte Schwierigkeit für die Betroffenen sein. Ihnen kann das Wort Jesu helfen, dass wir durch ihn zum Vater kommen[2] (Und wer diesen Satz des Credo nicht für sich selber sprechen kann, darf es im Namen Jesu tun - und vielleicht auch mit der Bitte an ihn: Zeig mir den Vater[3] so, wie er wirklich ist!

Iris: Dann bekennen wir den Glauben daran, dass Gott allmächtig ist. Oje....

Basilius: Was ist jetzt?

Iris: Ach, ich höre nur innerlich die Stimmen all derer, die sagen: Wenn Gott allmächtig wäre, dann könnte er dies und jenes verhin-dern, würde er dieses Leid und jenen Krieg einfach verhindern...

Basilius: Da liegt eine kleine Verwechslung vor!

Iris: ???

Basilius: Wir Menschen neigen dazu, die Allmacht Gottes und unsere menschliche Freiheit durcheinander zu bringen. Dass Gott allmächtig ist, also, dass er alle Macht hat, heißt noch lange nicht, dass er diese Macht missbraucht!

Iris: Jetzt sprichst du wirklich in Rätseln!

Basilius: Na, so schlimm ist es nicht! Überleg doch mal: Allmacht bedeutet: Alle Macht haben. Macht haben ist an sich nichts Böses, ist an sich wertfrei. Es kommt allerdings sehr darauf an, wie derjenige, der Macht hat, diese Macht gebraucht. Wir Menschen nei-gen dazu, Macht zu missbrauchen - und das geschieht schneller, als wir meinen oder wollen! Wer ganz eins ist mit sich, wer ganz in sich ruht und im Frieden ist mit sich und der Welt, ein ausgeglichener und zugleich selbst-bewusster Mensch - er kann Macht in einer guten Weise ausüben.

Iris: Dann gibt es wohl nicht viele Menschen, die das immer gut können - ist es doch so, dass wir um diese innere Einheit immer wieder neu ringen müssen!

Basilius: Nun haben wir vorhin ge-sagt, dass Gott "der Eine" ist - das dürfen wir auch in dem Sinn verste-hen, dass diese Eigenschaften in ihm vereint sind - und er also seine All-macht in bester Weise ausüben kann.

Iris: Okay, aber nun musst du mir noch erklären, dass das mit der menschlichen Freiheit zu tun hat!

Basilius: Was meinst du: Wenn Gott in alles, wofür Menschen sich ent-scheiden, einfach eingreifen würde - verhindernd oder wie auch immer, würde er damit nicht in die mensch-liche Freiheit eingreifen - und zudem noch seine Macht miss-brauchen?

Iris: Er kann es also nicht, weil er die menschliche Freiheit höher schätzt als seine Allmacht?

Basilius: Das ist es: Er "kann" es nicht, weil er nicht will, dass wir zu Marionetten in seiner Hand werden. Vielmehr will er uns als Ebenbilder, als Gegenüber, als geliebte Kinder!

Iris: Gut. Nun bekennen wir, dass dieser allmächtige Vater alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Nun, das kann man glauben oder auch nicht...

Basilius: Ist es nicht bezeichnend, dass immer mehr Wissenschaftler zu dem Schluss kommen - gerade aufgrund ihrer wissenschaftlichen Forschungen - dass es einen Schöpfer geben muss?.
"Die Naturwissenschaften braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln. Religion und Naturwissenschaft schließen sich nicht aus, wie heutzutage manche glauben und fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander.

Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissen-schaftler am Ende aller Überle-gungen.“[4Und Werner von Braun(1912-1977), deutscher Physiker, Raketen- und Raumfahrttechniker: "Die gelegentlich gehörte Meinung, dass wir im Zeitalter der Weltraumfahrt so viel über die Natur wissen, dass wir es nicht mehr nötig haben, an Gott zu glauben, ist durch nichts zu rechtfertigen. Bis zum heutigen Tag hat die Naturwissen-schaft mit jeder neuen Antwort wenigstens drei neue Fragen ent-deckt. Nur ein erneuerter Glaube an Gott kann die Wandlung herbeiführen, die unsere Welt vor der Katastrophe retten kann. Wissenschaft und Religion sind dabei Geschwister, keine Gegensätze."
Iris: Beeindruckend! Und gut zu wissen!

Kannst du mir noch erklären, was mit der "unsichtbaren Welt" gemeint ist? Die sichtbare ist ja klar, alles, was wir vor Augen haben, die Schöpfung, so wie wir sie mit allen Sinnen wahrnehmen.

Basilius: "Mit allen Sinnen" - da setzt du schon selber zu einer Antwort an: Wir haben ja nicht nur Sinne, mit denen wir Sichtbares wahrnehmen. Da gibt es doch auch vieles zu erspüren, dass wir nicht sehen, die inneren Sinne, die uns helfen, das, was unsichtbar in uns ist, zu er-kennen. und dieses unsichtbare gibt es auch außerhalb von uns. Du siehst den Wind nicht - aber du spürst ihn und siehst noch seine Wirkung. Du sprichst von Engeln und guten Geistern - du siehst sie nicht, aber du spürst ihr Dasein, ihr Wirken.

Iris: All das hat also auch Gott geschaffen, haben wir dem Vater im Himmel zu verdanken...

Toll, was schon in den ersten Sätzen unseres Credo drinsteckt! Das mag ich gern für einen Monat mitnehmen - und ich freue mich darauf, mit dir im Großen Glaubensbekenntnis weiter zu gehen! Danke, Basilius!



[1] Mt 28,...)

[2] Joh 14...).

[3] (vgl.Joh 14...),

[4] Max Planck,1858-1947, deutscher Physiker, Begründer der Quantentheorie