Iris: Hallo Basilius! Leihst du mir doch noch einmal dein Ohr?

Basilius: Aber gern! Haben wir im „Credo“ etwas übersehen?

Iris: Ich würde so gern noch mit dir über den vorletzten Satz sprechen.

Basilius: Ah, die Sache mit der Taufe!

Iris: Da finde ich einiges „spannend“: „Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.

Basilius: Na, dann schieß mal los!

Iris: „Bekennen“ – das erinnert mich eher an das Schuldbekenntnis (das mir übrigens wegen seiner Schuld – und Sündenbetonung ein wenig im Magen liegt) am Beginn der Messfeier als an das Credo.

Basilius: Obwohl wir das „Credo“ im Deutschen als „Glaubens-bekenn-tnis“ bezeichnen?

Iris: Ah, ja, stimmt, das habe ich übersehen. Trotzdem: Wir bekennen unseren Glauben, okay. Aber warum bekennen wir die Taufe?

Basilius: Vielleicht wird es leichter verständlich, wenn wir wieder mal ein Wörtchen einfügen. Wie klingt für dich: „Wir bekennen uns zur einen Taufe?“

Iris: Besser. Das würde heißen: Ich stehe dazu, dass ich getauft bin und bekenne mich zu den Menschen, die das ebenso sind.

Basilius: Die „eine“ Taufe – sie hat uns in den theologischen Auseinandersetzungen meiner Zeit sehr beschäftigt. Es geht darum, dass es die Taufe wirklich nur einmal gibt – sie ist ein unauslöschliches Merkmal, ein Siegel, das uns eingeprägt ist. Auch wenn jemand sich von der Gemeinschaft der Kirche abwendet, bleibt er ein Getaufter.

Iris: Das klingt so wie bei einer Tätowierung – die ist ja auch irreversibel… Also, auch wenn ich als Baby getauft wurde und erst später zu einem persönlichen Glauben finde, auch dann muss ich nicht noch einmal getauft werden….

Basilius: Du sagst das so, als ob darin schon die nächste Frage für dich verborgen wäre?

Iris: Also du kennst mich schon ziemlich gut! Du hast natürlich Recht. Es geht um die Sache mit der „Vergebung der Sünden“ (die mich wohl auch an das Schuldbekenntnis eher erinnert hat als an das Glaubensbekenntnis!)

Basilius: Konkret?

Iris: Zwei Probleme habe ich! Einerseits: Die Taufe ist doch nicht nur zur Vergebung der Sünden da! Und andererseits: Bei uns werden kleine Babys getauft. Denen sind doch keine Sünden zu vergeben?

Basilius: Alles klar. Also beginnen wir mit „Einerseits“. Natürlich ist die Taufe mehr als Sündenvergebung:  Durch die Taufe nimmt der dreifaltige Gott in uns Wohnung. Die Taufe gliedert uns, wie schon gesagt, in die Gemeinschaft all derer ein, die an den dreifaltigen Gott glauben.  Dennoch ist die „Vergebung der Sünden“ ein wesentlicher Aspekt der Taufe. Hier beginnt einfach etwas ganz Neues!

Iris: Das erinnert mich an Paulus, der vom alten und vom neuen Menschen spricht. Meinst du das?

Basilius: Genau! Er sagt da, dass wir in der Taufe zu neuen Menschen geworden sind, dass wir den alten Menschen der Sünde ausgezogen und den neuen Menschen – Christus – angezogen haben.[1]

Iris: Aber heißt es nicht auch irgendwo, wir sollen den neuen Menschen erst anziehen?[2]

Basilius: Stimmt. Und genau darin zeigt sich die Erfahrung der ersten Christen. Der radikale Ernst der Taufe lag darin, dass die Sündenvergebung als einmaliges sakramentales Geschehen verstanden wurde. Deshalb ließ sich so mancher, der schon zu Christus gefunden hatte, erst am Totenbett taufen, damit er sicher war, nicht mehr zu sündigen. Paulus hat an seinen Gemeinden und wohl auch an sich selber die Spannung erfahren, die zwischen diesem „Schon“ des Innewohnens des neuen Menschen durch die Taufe und dem „Noch-Nicht“ des unerlösten Menschen, der uns auch nach der Taufe noch prägt, liegt.

Iris: Hm, das ist alles gar nicht so einfach! Mit dem „Schon und Noch-Nicht“ ist es aber gut ins Wort gebracht. Das ist ja das, was wir wohl alle täglich spüren. Und was uns immer wieder dazu verführt, zu sündigen… Aber da bin ich auch schon wieder an einer Stelle, die mir Mühe macht.

Basilius: Die Rede von der Sünde? Und wegen der unschuldigen Babys?

Iris: Ja, das auch…

Basilius:  Da gibt es nämlich einen Zusammenhang!

Iris: Na, da bin ich aber jetzt gespannt!

Basilius: Das ist auch spannend! Die Sünde, von der uns die Taufe befreit, meint vor allem die Ursünde oder Erbsünde. Es ist die Urversuchung des Menschen, die wir sozusagen ererbt haben, dass wir „sein wollen wir Gott“. Es gibt sozusagen einen „radikalen Infekt in den Katakomben des menschlichen Herzens“.[3] Der Trend, sich von Gott und seiner Liebe abzusondern – davon kommt übrigens das Wort „Sünde“ – und eigene Wege zu gehen, ist im Menschen tief verwurzelt. Davon brauchen wir Heilung, und diese eröffnet sich uns mit der Taufe. Und die brauchen auch die Babys, die noch keine persönlichen Sünden begehen konnten.

Aber noch ein weiterer Gedanke: Vielleicht wäre es spannend, den Begriff der Sünde anzuschauen. Wie wäre es, einmal nicht zu denken, dass wir Fehler machen – sondern dass wir Fehler haben?

Iris: Was meinst du jetzt damit?

Basilius: Wir haben ja nicht nur die Prägung dieser Ursünde, die die Heilige Schrift auf Adam und Eva zurückführt, sondern sind in unserem Verhalten von all dem geprägt, was wir (als Kinder) gelernt und uns angewöhnt haben. Viele Fehler, die wir machen und dann  als Sünde erkennen, sind eigentlich Fehler, die wir haben, eben Gewohnheiten, die wir uns angeeignet haben. Oft aus Not – als Kinder finden wir alle unsere je eigenen Reaktionsmuster, um mit dem zurechtzukommen, was uns widerfährt. Jeder und Jede von uns hat irgendwelche Situationen bestehen müssen, die uns besser nicht widerfahren wären (zumindest scheint es so, gerade diese schmerzlichen Erfahrungen können uns auch immer mehr zu uns selber und zu Gott führen).

Iris: Stopp! Du sprichst zunehmend in Rätseln für mich. Ich versuche mal, das zu übersetzen, was ich gerade verstehen konnte: Ein Kind stößt auf eine Situation, die es überfordert: Es wird allein gelassen, es wird nicht beachtet, es wird verletzt – an der Seele oder am Leib – und es legt sich ein Muster zurecht, um in einer ähnlichen Situation nicht mehr so leiden zu müssen?

Basilius: Du hast es voll verstanden.

Iris: Und was hat das mit Sünde zu tun? Mit Fehler machen oder haben?

Basilius: Für das Kind ist dieses Muster (über)lebensnotwendig. Aber wir Menschen funktionieren so, dass wir diese Muster verinnerlichen und bald nicht mehr bewusst wahrnehmen. Dennoch bleiben sie da – sie sind gleichsam mit uns verwachsen und scheinen zu unserer Natur zu gehören.

Iris: Also das meinst du mit den Fehlern, die wir haben?

Basilius: Ja. Und für die sind wir verantwortlich. Es braucht lebenslange Arbeit, ein lebenslanges „Anziehen“ des neuen Menschen, ein lebenslanges Hineinwachsen in neue Verhaltensmuster, die von Gott und seiner Liebe geprägt sind – und nicht

mehr von den schmerzlichen Erfahrungen unserer Kindheit.

Iris: Und welche Hilfen bietet uns der Glaube dazu?

Basilius: Zum einen: Aus der Erfahrung, dass auch getaufte Menschen noch Fehler haben, ist das Sakrament der Versöhnung erwachsen. In ihm spricht dir Gott immer neu zu, dass du ein neuer Mensch werden darfst. „Es  kommt einer Rettung aus dem grausamen Teufelskreis, mit der eigenen Schuld allein sein zu müssen, gleich, wenn Gott ihn mit dem fröhlichen Engelskreis seiner Vergebung überwindet.“[4]

Zum anderen schenkt uns die Kirche Menschen, die auf diesem Weg schon lange unterwegs sind und aus ihrer eigenen Erfahrung andere begleiten und unterstützen können. Ich wünsche jedem Christen, dass er diese beiden Wege beschreiten und nützen kann!

Iris: Das wäre auch mein Wunsch – doch solche geistlichen Väter und Mütter muss man wohl erst finden?

Basilius: Bete darum – und es werden sich Wege auftun! Und was das Sündenbekenntnis in der Messe betrifft – vielleicht findest du ja Formulierungen, die dir und dem, worüber wir eben gesprochen haben, besser entsprechen?

Iris: Danke für diese tolle Anregung! Und danke für die vielen Gespräche über das Credo, mit denen du uns in diesem Jahr des Glaubens begleitet hast!

 

 



[1] Gal 3,27; Kol,3.9

[2] Eph 4,22-24; Kol 3,8f…

[3] Kurt Koch

[4] Kurt Koch