Iris: Hallo, Basilius!

Basilius: Grüß dich, Iris!

Iris: Ich habe mich schon richtig gefreut auf dieses Gespräch.

Basilius: Ich auch!

Iris: Wir haben über den Vater und Schöpfer gesprochen, und der nächste Satz in unserem Großen Glaubensbekenntnis heißt: Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn.

Basilius: In diesen wenigen Worten steckt unglaublich viel drin!
Iris: Ich habe den Eindruck, das berührt dich?

Basilius: Ja, das tut es. Es geht hier doch genau um das, worum wir in den ersten Konzilien, von denen ich dir erzählt habe, ringen mussten: Um die Definition dessen, was oder besser: wer Jesus Christus für uns ist! Und in diesem Satz des Credo ist jedes einzelne Wort wichtig!

Iris: Jedes Wort? Auch das „Und“ zu Beginn?

Basilius: Ja, gerade auch dieses „und“!

Iris: Das musst du mir bitte erklären!

Basilius: Dieses „Und“ bedeutet, dass das, was danach kommt, nicht irgendein Zusatz ist, dass da nicht eine Aufzählung kommt, ein Nacheinander der Wertigkeiten, sondern dass es um jemanden geht, der im selben Rang mit dem Schöpfer steht, von dem die Rede war. „Und“ zeigt eine neue Seinsweise Gottes auf – das Sein, das er uns in Jesus Christus offenbart.

Iris: Das ist spannend! Und dann geht es wieder um den „Einen“ Herrn.

Basilius: Ja, darüber haben wir schon gesprochen: Dass Gott der Eine ist, der in sich und mit sich eins ist. Das gilt natürlich auch für Jesus Christus, da er ja Gott gleich ist.

Iris: Genau darüber habt ihr diskutiert: Ob Jesus Gott gleich, ja Gott selber ist.

Basilius: Genau das war die entscheidende Frage für uns Christen. Und es wurde erkannt, dass Jesus Gott und Mensch in einem ist.

Iris: Es geht um den Herrn Jesus Christus.

Basilius: Und da gilt es, ein wenig vorsichtig zu sein. Wenn wir vom Herrn Jesus Christus sprechen, ist damit etwas anderes gemeint als einfach nur eine Anrede.

Iris: So wie: Herr Otto Österreicher?

Basilius: Eben genau so nicht! Setz doch mal ein Komma nach dem Wort Herr!

Iris: „…an den einen Herrn, Jesus Christus“.

Basilius: Spürst du einen Unterschied?

Iris: Und ob! Das Wort „Herr“ bekommt eine andere Bedeutung! Es sagt mir z.B.: Dieser Jesus Christus ist eben „Herr“ über etwas oder jemanden!

Basilius: Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie revolutionär dieser Titel für Jesus Christus in den ersten Zeiten des Christentums war! Der „Kyrios“, das ist das griechische Wort für „Herr“, das war einzig und allein der römische Kaiser! Als die Christen begannen, Jesus Christus ihren Kyrios zu nennen, war das ein Affront gegen die Herrschaft des Kaisers!

Iris: Da brauchte es Mut und Stärke, um zu diesem neuen Kyrios zu stehen! Das erinnert mich auch an so manchen Glaubenszeugen des 20. Jh. die auch gegen den Herrscher und Führer zu ihrem Kyrios Christus standen – und oft genug dafür mit dem Leben bezahlten…

Basilius: Du siehst, dieses kleine Wörtchen Herr hat es ganz schön in sich! Doch nun solltest du nochmals eine kleine Erweiterung im Text vornehmen!
Iris: Und die wäre?

Basilius: Wir beten „…an den einen Herrn Jesus Christus“. Jetzt ist es wieder so, dass wir diese beiden Bezeichnungen nicht einfach so sehen dürfen, als wären sie Vor- und Nachname einer Person.

Iris: Aha.

Basilius: Lies es mal so: „Jesus, der Christus“.

Iris: Ich beginne, zu verstehen. Jesus, das ist der Mensch, der historisch nachweisbar zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Land zur Welt gekommen ist, und dort gelebt und gewirkt hat.

Basilius: Er ist der, von dem uns die Evangelien berichten. Dessen Leben, Sterben und Auferstehen sie uns überliefern.

Iris: Aber geht nicht die Auferstehung schon über das Historische hinaus?

Basilius: Du hast Recht! Der Auferstandene ist der Christus, der Gesalbte Gottes. Der Christus ist nicht mehr an Zeit und Raum gebunden – wie es die Berichte von den Erscheinungen des Auferstandenen zeigen. Der Christus ist allgegenwärtig, er lebt in jedem Menschen.

Iris: Und was bedeutet das konkret?

Basilius: Das bedeutet, dass jeder von uns ein „Tabernakel“ ist, dass jeder Mensch in Christus und durch Christus das göttliche Leben in sich trägt. Das bedeutet konkret, dass jeder und jede von uns eine unendliche Würde hat!

Iris: Das ist wunderbar! Aber jetzt habe ich noch eine Frage, die mich schon lange beschäftigt. Dieser Jesus, der Christus, wird als „Gottes eingeborener Sohn“ bezeichnet. Was soll ich mir denn darunter bloß vorstellen?

Basilius: Wie ich dich kenne, hast du schon eine Idee?

Iris: Also, bei „eingeboren“ muss ich einfach an „die Eingeborenen“ denken – also die Menschen, die in einem bestimmten Land geboren sind. Alle anderen, die dazukommen, wären die Zugezogenen. Aber was sollte das mit Jesus Christus zu tun haben?

Basilius (Schmunzelt): So weit ab ist das gar nicht! Wir bezeichnen Jesus Christus als den eingeborenen Sohn Gottes, also als den, der genuin zu Gott gehört, der aus Gott stammt, der sozusagen ganz in Gotte beheimatet ist.

Iris: Und wir wären dann die „Zugezogenen?“

Basilius: Ja, so ungefähr. Du kannst das Wort „eingeboren“ auch erweitern …

Iris: Na, darin haben wir ja jetzt schon Übung!

Basilius: Eben, also du kannst es erweitern in „einziggeboren“.

Iris: Dann meint es eben, dass Jesus Christus Gottes einziger Sohn ist.

Basilius: Im Lateinischen steht hier das Wort „unigenitus“. Im Hebräischen entspricht dem auch das Wort, das jemand als den einzigen Sohn seiner Eltern bezeichnet, auf dessen Sohnschaft alles ankommt. „Einzig geliebt“ – das wäre eine schöne und sinnvolle Übersetzung für „eingeboren“.

Iris: Aber was ist dann mit uns Menschen? Uns liebt Gott doch auch?

Basilius: In dem Gott seinen Sohn Mensch werden ließt, hat er uns genau diese Liebe zugesagt: Er liebt uns wie Jesus Christus, er liebt diesen Jesus Christus, der in uns lebt und in dem und durch den er uns unsere große menschliche Würde schenkt! „Jesus Christus ist Repräsentant der ganzen Menschheit! Wer immer auf Gottes väterliche Liebe vertraut, glaubt an sich selbst als „einzig geliebtes“ Gotteskind.“[1] Er liebt uns wie seine Adoptivkinder.

Iris: So groß ist unser Gott, dass er jeden Menschen lieben kann, als wäre er sein Lieblingskind…

Basilius: Und so groß ist seine Liebe, dass er sie uns in Jesus, dem Christus, dem Kyrios sichtbar, greifbar, erfahrbar machen wollte!



[1] David Steindl-Rast