Iris: Hallo. Basilius!

Basilius: Grüß dich Iris! Bist du bereit für neue theologische Gedanken?

Iris: Oh, ich habe es schon kommen sehen: Diesmal wird es nicht so ganz einfach. Stimmt*s?

Basilius: Wie man’s nimmt. Schieß mal los!

Iris: Also, wir gehen weiter im Großen Glaubensbekenntnis. Da heißt es nun von Jesus, dem Christus, dem Herrn: Er ist „aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch ihn ist alles geschaffen.

Das klingt wunderschön – aber doch ein wenig fremd?

Basilius: Du hast hier Worte und Sätze, um die auf dem Konzil von Nicäa aufs Härteste gerungen wurde!

Iris: Was war da los?

Basilius: Ich habe dir ja schon erzählt, dass es Bischöfe und Theologen gab, die sehr verschiedene Meinungen vertraten. Eine der gefährlichsten war die, Jesus sei nicht so ganz Gott.

Iris: Was dann?

Basilius: Ein vollkommener Mensch, der vollkommenste Mensch, ein besonderer Sohn Gottes…

Iris: …aber doch nicht so ganz der eine einzige Sohn Gottes, der Eingeborene…

Basilius: Genau. Diese Lehre wurde klar zurückgewiesen. Doch es mussten Formulierungen gefunden werden, die die Wahrheit ebenso klar zum Ausdruck bringen sollten. „Das Verlangen, Gott zu verherrlichen, ist ja allen vernunftbegabten Wesen von Natur eingepflanzt; aber über Gott würdig zu reden, dazu sind alle in gleicher Weise unfähig.“[1]

Iris: „Aus dem Vater geboren vor aller Zeit“: Was darf ich mir darunter vorstellen?

Basilius: Zuerst einmal, dass Jesus vor aller Zeit war. Er existiert – wie der Vater – von Ewigkeit an, er hat keinen Anfang und kein Ende.

Iris: Und doch „Aus dem Vater geboren“?

Basilius: Auch das musst du dir unter dem Aspekt der Ewigkeit vorstellen! Es ist – und da versagen schon zum ersten Mal die menschlichen Begriffe und Worte – sozusagen ein ewiger Vorgang. Immer jetzt stattfindend, außerhalb der irdischen Zeit…

Iris: Also, das ist wirklich nicht ganz einfach! Darf ich es so verstehen: Aus dem Vater wird der Sohn geboren – und das ist immer sozusagen gleichzeitig – weil in Gott Gemeinschaft ist, weil er die Liebe ist und er als Einer doch ein Gegenüber sucht.

Basilius: Das hast du schön gesagt. Und doch ist es so, wie es ein Zeitgenosse von dir ins Wort gebracht hat: „…unsre Sprache ist zu löchrig, um die Wirklichkeit zu kleiden, die Begriffe selbst versagen sich. Angesichts von Gott bleibt nur das stammelnde Verstummen und bedingungslose Anbetung.“[2]

Iris: Da gebe ich dem Priester und Dichter durchaus recht, aber es wäre mir nicht recht, wenn wir jetzt schon verstummen würden!

Basilius (schmunzelt): Ist schon Recht – wir versuchen weiter, Worte für das Unsagbare zu finden!

Iris: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“. Ich finde das wunderschön!

Basilius: Es sind Bilder, die aussagen, dass Jesus Gott ist wie der Vater. Gott, Licht, wahrer Gott – es ist eine wunderbare Steigerung.

Iris: Mich erinnern diese Bilder an den Beginn des Johannesevangeliums, an den Johannesprolog: Dort wird Jesus als der Logos - das Wort - und als Licht eingeführt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“[3]

Hier ist die Aussage, dass Jesus Gott war, schon sehr klar ausgedrückt!

Basilius: Stimmt.

Iris: „Gezeugt, nicht geschaffen“. Das verstehe ich: Es besagt, dass Jesus kein Geschöpf Gottes ist, wie du und ich und wir alle. Es gäbe mich nicht, wenn Gott mich nicht gedacht hätte und mich nicht in jedem Moment meines Lebens am Leben erhalten würde. Jesus ist Gott, also lebt er aus sich selber und in engster Verbundenheit mit dem Vater.

Basilius: Und jetzt wird es noch einmal spannend!

Iris: Nämlich?

Basilius: Wir beten weiter: Jesus ist „eines Wesens mit dem Vater“. Das ist sozusagen die Kernaussage, auf die alle bisherigen Bilder hingedeutet haben. Es ist wesentlich für unseren Glauben, dass Jesus Gott ist, dass er wesensgleich mit dem Vater ist.

„Von ihm (dem Vater) ist ausgegangen die Quelle des Lebens, die Weisheit, die Macht, das vollkommene gleiche Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der vom Vater geborene Sohn, der lebendige Logos, der Gott ist und bei Gott ist, der da war und nicht erst wurde, der da ist vor den Zeiten und nicht erst später hinzutrat, Sohn, nicht Besitz, Bildner, nicht Gebilde, Schöpfer, nicht Geschöpf, der alles ist, was der Vater ist - kurz: Dort ist Sohn und Vater. Merke dir diese Eigenschaften! Der Sohn bleibt, was er ist, obschon er alles ist, was der Vater ist - nach dem Ausspruch des Herrn selbst, der da sagt: „Alles, was der Vater hat, ist mein”.[4] Denn ein wirkliches Ebenbild hat alles, was dem Urbild eignet.

Iris: Da fällt mir der Hymnus aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser ein. Meinst du das?

Basilius: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.“[5] Ebenbild – das meint: ein hundertprozentiges Abbild.

Iris: Also keine Kopie?

Basilius: Nein!!! Er ist es, der den unsichtbaren Gott sichtbar macht – 1:1 sozusagen!

Iris: Das ist wunderbar!

Basilius: „Denn wir haben’, sagt der Evangelist, ‚seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit, wie die

des Eingeborenen vom Vater’,[6] d.h. nicht als Geschenk und Gnade sind ihm die Wunder gegeben worden, sondern auf Grund seiner Wesensgemeinschaft hat der Sohn die Majestät der väterlichen Gottheit. Das Empfangen ist Sache der Kreatur, aber das Haben von Natur ist dem Geborenen eigen. Er besitzt also als Sohn von Natur das, was des Vaters ist, und als Eingeborener fasst er alles in sich zusammen, ohne etwas mit einem Zweiten zu teilen.

Wir werden also schon durch die Bezeichnung ‚Sohn’ belehrt, dass er das Wesen des Vaters teilt, nicht auf sein Gebot hin geschaffen ist, sondern ungetrennt aus der Wesenheit ausstrahlt, ewig mit dem Vater vereint, ihm gleich an Güte, gleich an Macht, Mitgenosse seiner Herrlichkeit. Was ist er denn anderes als ein Spiegel und Bild, das ganz den Vater in sich darstellt?“[7]

Iris: Wow! Das hast du jetzt aber schon sehr schön ins Wort gebracht! Und damit alles Gesagte noch einmal wunderbar zusammengefasst.

Basilius: Und es ist schön, dass wir nun auch noch die biblische Grundlage dieser nicht ganz so einfachen Aussagen des Glaubensbekenntnisses entdeckt haben! In diesem Sinne wünsche ich dir und allen Leserinnen und Lesern, dass

ihr Jesus, den Christus, unseren Herrn, besonders in der Vorbereitung auf Weihnachten als Gott von Gott und Licht vom Licht entdecken und erfahren dürft!

Iris: Danke Basilius! Und über das Geheimnis der Menschwerdung dieses Jesus, des Sohnes Gottes, sprechen wir demnächst!



[1] Basilius der Große, 16. Predigt

[2] Andreas Knapp

[3] Joh 1,1-4

[4] Joh 16,15

[5] Kol 1,15

[6] Joh 1,14

[7] Basilius der Große, 16. Predigt