Basilius: Hallo, Iris!

Iris: Hallo, Basilius! Machen wir wieder weiter mit unseren Überlegungen?

Basilius: Klar, gerne.

Iris: Durch das Gespräch mit dir wird mir erst so richtig bewusst, wie kompakt das

Glaubensbekenntnis eigentlich ist.

Basilius: Wie meinst du das?

Iris: Nach Weihnachten kommt sofort das Kreuz, der Tod Jesu – und dann auch schon die

Auferstehung und Himmelfahrt.

Basilius: Jetzt verstehe ich, was du meinst.

Iris: Die Aussagen des Glaubensbekenntnisses reihen sich ganz schnell aneinander.

Gerade erst haben wir Weihnachten gefeiert; so stimmungsvoll, mit Kerzenglanz und

allem was so dazu gehört. Da kommt die nächste Aussage des Glaubensbekenntnisses

sehr ernüchternd.

Basilius: Bist du vielleicht ein bisschen enttäuscht, dass Lichterglanz, Zimtduft und

Weihnachtsdekoration ihre Saison schon wieder beendet haben?

Iris: Ja, ich weiß. Das alles macht Weihnachten nicht aus. Es geht um ganz anderes.

Du hast uns das ja auch das letzte Mal sehr gut erklärt. Aber Weihnachten ist eben

ein ganz besonderes Fest und eine ganz besondere Zeit im Jahr.

Basilius: Das ist ja auch gut so. Darf ich dich auf etwas aufmerksam machen?

Iris: Ja, natürlich. Sonst bleibe ich wahrscheinlich stehen beim vermeintlich romantischen Weihnachtsfest und unsere Leser sind gar nicht zufrieden damit.

Basilius: Über das Weihnachtsgeheimnis heißt es im Glaubensbekenntnis:

Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen …“

Über das Osterfest und die vorausgehende Karwoche heißt es:

„Er wurde für uns gekreuzigt …“ Wir haben uns ja das letzte Mal schon über dieses „für uns“ unterhalten.

Iris: Jetzt hast du mich aber sehr schnell und behutsam auf die richtige Spur gesetzt!

Was Gott getan hat und tut, das tut er für uns! Eigentlich unglaublich und kaum zu fassen.

Basilius: Als Gott für uns Mensch wurde, hat er ganz schön viel dafür aufgegeben; wenn man das so banal ausdrücken darf.

Iris: Aber er ist doch Gott geblieben?

Basilius: Ja. Aber als Mensch hat er freiwillig auf vieles verzichtet, was ihn als Gott ausgezeichnet hat. Plötzlich hatte er Hunger, Durst, war müde …

Iris: Spricht deshalb die Heilige Schrift von „Entäußerung“?

Basilius: „Er (Jesus) war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“[1]

Iris: Dann war Weihnachten, also ich meine die Menschwerdung Gottes, aus der Sicht Jesu gar nicht so „romantisch“, wie wir das heute jetzt so gerne feiern?

Basilius: Das sehe ich auch so. Aber er hat es ja für uns getan!!! Genau so wie er auch das Kreuz für uns auf sich genommen hat. Das ist doch das Unglaubliche oder besser gesagt, das Wunderbare daran.

Iris: Hm, so habe ich den Zusammenhang zwischen Weihnachten und Ostern noch gar nie gesehen.

Basilius: Man kann es auch noch anders sagen: Der Mensch ist der Mittelpunkt Gottes!

Iris: Der Mensch ist der Mittelpunkt Gottes? Aber wir sollen doch Gott zu unserer Mitte machen und uns an ihm ausrichten!

Basilius: Ja, das stimmt natürlich auch. Aber der Mensch ist für Gott so wichtig, dass er ihn – bildlich gesprochen – in die Mitte der Dreifaltigkeit nimmt und sich ganz liebevoll um ihn kümmert.

Iris: Das finde ich eine starke Aussage: der Mensch ist der Mittelpunkt Gottes.

Basilius: Du kannst ja die Evangelien, oder die heilige Schrift überhaupt, einmal im Hinblick darauf betrachten, was Gott alles für den Menschen macht und wie er für ihn sorgt, für ihn da ist, auf ihn wartet … Das lässt sich schier ins Unendliche fortsetzen.

Iris: Gute Idee! Das werde ich machen!

Basilius: Und noch etwas darfst du nicht vergessen: Jesus ist nicht nur für uns Mensch geworden, für uns gekreuzigt worden – er ist auch für uns auferstanden.

Er hat den Tod überwunden. Seit seinem Sterben und Auferstehen haben wir Menschen eine ganz konkrete Aussicht. Wir sehen nicht in erster Linie dem Tod in die Augen sondern dem Leben. Und er ist uns voraus gegangen in den Himmel. Das ist unsere sichere Hoffnung.

„Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“[2]

Iris: Das ist ja eine ganze Fülle von Gedanken! Und eigentlich doch nur ein kleiner Ausschnitt …

Basilius: Ja, da hast du wirklich recht. Wir können die Größe Gottes immer nur bruchstückhaft fassen. Deshalb scheint es mir viel wertvoller, dass wir staunen, loben und danken.

Ich freue mich schon auf unser nächstes Treffen, Iris! Bis dahin: mach´s gut!



[1] Phil 2, 6-8

[2] 1 Kor 2,9