Iris: Gott zum Gruß, hl. Basilíus!

Basilius: Grüß dich Iris! Es ist mir eine Ehre, beim ChristImpuls zu Gast sein zu dürfen!

Iris: Na, die Ehre ist wohl ganz auf unserer Seite. Immerhin habe ich mit dir einen Gesprächspartner gefunden, der schon sehr lange im Himmel lebt - soweit man bei euch in Zeiteinheiten denken kann…

Basilíus: Jedenfalls ist es nach eurer Zeitrechnung lange her, dass ich auf Erden gelebt habe. Und das war eine spannenden Zeit damals!

Iris: Wir zählen dich zu den Kirchenvätern – also den großen Theologen und Heiligen der ersten Jahrhunderte der Kirche. Und das ist auch der Grund, warum ich dich zum Interview eingeladen habe.

Basilíus: Ah, du möchtest mit mir theologisieren???

Iris: Na, ob ich das könnte? Ich möchte vor allem von dir hören, wie das so war in der ersten Zeit nach alledem, was die Apostelgeneration mit Jesus erlebt hatte. Du warst ja doch noch ziemlich nah dran. Und ich denke, spannende Zeiten, wie du sagst, waren es ja auch, weil ihr noch ganz anders darum ringen musstet, das, was mit diesem Jesus von Nazareth zu tun hatte, ins Wort und eben auch in die Lehre zu bringen.

Basilíus: Genau. Wir haben uns, wir ihr heute auch, bemüht, das zu leben, was uns die Aposteln überliefert haben über den „neuen Weg“, wie ja das Christentum zu Anfang genannt wurde. Und da gab es dann schon viele Diskussionen und Auseinander-setzungen: Wie ist dieses zu verstehen, wie jenes?

Iris: Na ja, diese Diskussionen gibt es auch heute….

Basilíus: Aber eines habt ihr uns voraus!

Iris: Und das wäre?

Basilíus: Ihr habt ein „Glaubensbekenntnis“ – eine Formulierung dessen, was unseren Glauben ausmacht. Wir mussten genau darum noch ringen.

Iris: Und wie ging das vor sich?

Basilíus: Nun, es traten immer wieder Lehrer auf, die Dinge im Namen Jesu verkündeten, die erst einmal geprüft werden mussten. Dazu gab es mehrere Konzilien[1] – und so manche dieser Lehren wurde dabei als Irrlehre verurteilt und ein Glaubenssatz formuliert, der den rechten Glauben festschrieb. So entstand nach und nach das Glaubensbekenntnis.

Iris: Wir kennen das Glaubensbekenntnis ja unter der Bezeichnung „Credo“. Was heißt das eigentlich?

Basilíus: Übersetzt aus der lateinischen Sprache heißt „Credo“ schlicht: „Ich glaube“. Wenn du „Credo“ sagst, sprichst du eigent-lich schon ein Glaubensbekenntnis.

Iris: Nur weiß damit noch keiner, woran ich glaube, oder?

Basilíus: Stimmt! Du könntest ja auch etwas anderes meinen als das, was im christlichen Glaubensbekenntnis dann folgt.

Aber willst du noch wissen, woher das Wort „Credo“ kommt?

Iris: Ja, gern!

Basilíus: Das Wort „Credo“ setzt sich zusammen aus den beiden lateinischen Wörtern „Cor dare“.

Iris: Und das heißt?

Basilíus: „Cor“ ist das Herz, „dare“ steht für „geben“.

Iris: Dann be deutet „Credo“ = ich glaube also: Das Herz geben! Das ist  ja eine wunderschöne Bedeutung

Basilíus: Du sagst es!

Iris: Das Herz geben – das ist ja nun keine Kleinigkeit! Da wäre es schon interessant, mal näher hinzuschauen, was in diesem „Credo“ also ich meine in diesem Glaubensbekenntnis, überhaupt so alles ausgesagt wird. Kann ich da allem wirklich so zustimmen, dass ich mein Herz dafür geben, einsetzen mag?

Basilíus: Wenn du magst, können wir uns gern in den nächsten Monaten über das Große Glaubensbekenntnis unterhalten!

Iris: Und wie ich mag! Aber jetzt verwirrst du mich schon wieder: Du sprichst vom „Großen Glaubensbekenntnis“ – dann gibt es auch ein kleines?

Basilíus (schmunzelt): Das wollte ich damit freilich nicht sagen – das Bekenntnis unseres Glaubens ist ja irgendwie immer groß. Trotzdem hast du auch Recht – es gibt auch ein kleines Glaubensbekenntnis.

Iris: Jetzt hast du mich doppelt neugierig gemacht!

Basilíus: Also, zum einen: Jeden Sonntag betest du in der Hl. Messe ein Glaubensbekenntnis. Aber meist ist es wohl nicht das von mir gemeinte Große Glaubensbe-kenntnis, sondern das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis. Es ist kürzer, hat aber natürlich inhaltlich dieselben Schwerpunkte. Das „kleine Glaubensbekenntnis“ aber, das du zur Sprache gebracht hast – na, vielleicht kommst du selber drauf, was ich meine? Du sprichst es wahrscheinlich jeden Tag mindestens einmal.

Iris: Hm, das Apostolische Glaubensbekenntnis aus der Sonntagsmesse ist mir schon vertraut. „Ich glaube an Gott den Vater… und an Jesus Christus… und an den Heiligen Geist…“. Also ein Bekenntnis zum Dreifaltigen Gott.

Basilíus: Ja, und das gibt es sozusagen auch in einer Kurzform.

Iris: Ah, jetzt hab ich`s! Du meinst das Kreuzzeichen? „Im

Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes“!

Basilíus: Genau das kam mir in den Sinn, als du vom „kleinen“ Glaubensbekenntnis sprachst.

Es gibt dir Gelegenheit, deinen Glauben täglich zu erneuern, dich täglich neu in die Gemeinschaft mit dem Dreifaltigen Gott hineinzustellen – und täglich neu dein „Herz zu geben“ – Ihm, an den du glauben darfst!

Iris: Das ist ein sehr schöner Gedanke! Und dieses „kleine“ Glaubensbekenntnis erinnert mich ja immer auch an meine Taufe, die ich im Namen des Dreifaltigen Gottes empfangen habe.

Aber jetzt würde mich noch eines interessieren: Du hast vorhin von Irrlehren gesprochen: Was wurde denn da so alles behauptet?

Basilíus: Zu meiner Zeit war es vor allem die Lehre des Aríus, der meinte, Jesus sei nicht eines Wesens mit dem Vater gewesen, sondern ein Geschöpf wie wir.

Iris: Also, das kommt mir aber ziemlich bekannt vor! Auch wenn heute keiner mehr von Aríus spricht: Die Meinung, Jesus sei nur ein Mensch – ein ganz besonderer zwar, ein wunderbarer und beeindruckender Mann, aber doch schon wirklich nicht Gott – das ist ja eine sehr moderne Ansicht!

Basilíus: Da hast du Recht. Für unsere Zeit damals war es entscheidend, diese Frage im Sinne der Heiligen Schrift und der Überlieferung zu klären. Da gab es durchaus harte Kämpfe, zumal damals Religion auch mit dem Staat verknüpft war – und wenn ein Kaiser der Lehre des Aríus angehörte, dann hatte auch ein Bischof, der sein Credo an den Konzilien orientierte, unter Umständen ein hartes Leben. So mancher wurde verbannt… Mir ist es nicht so schlimm ergangen, aber es waren schon harte Zeiten.

Iris: Da haben wir ja allen Grund, euch dankbar zu sein, dass ihr uns ein klares Bekenntnis erkämpft und erlitten habt!

Und ich freue mich darauf, Basilìus, mit dir in den nächsten Monaten darüber zu sprechen!

Das wird uns allen helfen, das „Jahr des Glaubens“, das im Oktober beginnt, bewusst zu begehen und im Glauben an unseren wunderbaren Gott bestärkt zu werden!



[1] Konzil von Nizäa 325, von Konstatinopel 381 und Chalzedon 431.