Iris: Der Herr ist auferstanden! Halleluja!

Basilius: Der Herr ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!

Iris: Da feiern wir gerade Ostern – und ich will und soll mit dir über den nächsten Satz des Glaubensbekenntnisses reden: Ich glaube an den Heiligen Geist?

Basilius: Wo ist das Problem?

Iris: Na, der Heilige Geist gehört doch zu Pfingsten – oder?

Basilius: Gehört der Hl. Geist nur zu Pfingsten?

Iris: Nun, das kann ja jetzt wirklich nicht so sein. Aber trotzdem…

Basilius: Was sagt denn der auferstandene Herr Jesus zu seinen Jüngern, als er ihnen das erste Mal erscheint? Es ist genau dies: „Empfangt den Heiligen Geist.“[1]

Iris: Tatsächlich! Daran habe ich jetzt nicht gedacht. Also ist der Heilige Geist eine Gabe des Auferstandenen, ein österliches Geschenk?

Basilius: Genau so ist es!

Iris: Vielleicht steckt ja überhaupt die Frage dahinter: Was oder: Wer ist denn der Heilige Geist? Ich habe den Eindruck, dass so manche Zeitgenossen mir ihm nicht viel anfangen können!

Basilius: Irgendwie auch verständlich: Jesus kann man sich als Mensch sehr gut vorstellen, einen Vater haben wir auch alle, und egal, welche Erfahrungen mit ihm verbunden sind, er lässt sich vorstellen.

Iris: Und der Heilige Geist?

Basilius: Der Heilige Geist ist nicht so einfach fassbar. Er ist Geist – und das ist für uns Menschen schwer vorstellbar. Deshalb verwendet die Hl. Schrift immer wieder Bilder für ihn.

Iris: Feuer, Wind, Wasser…

Basilius: Genau: Alles Elemente, die uns vertraut sind und sich doch unserer Verfügbarkeit entziehen.

Iris: Der Heilige Geist ist also jemand, der uns vom Auferstandenen geschenkt wird – und ein Geschenk ist etwas, das frei gegeben wird und nicht eingefordert werden kann.

Basilius: Es ist wie mit der Luft: Sie ist uns geschenkt, sie ist einfach da, aber wir können sie nicht besitzen.

Iris: Die Luft durchdringt uns und verlässt uns auch wieder - im Atem. Sie ist lebensnotwendig, aber ich kann sie nicht festhalten, speichern, sammeln…

Basilius: Der Heilige Geist ist ganz Geschenk, und ganz frei. Wir können ihn nicht besitzen. Und dass wir ihn haben, können wir nur dadurch „beweisen“, dass wir ihn weitergeben.

Iris: Es heißt ja von Jesus: Er hauchte sie an.“[2] Ist das die Art, wie er den Geist an uns weitergibt?

Basilius: So ist es. Und dieses Anhauchen mit dem Geist ist eine Neuschöpfung. Erinnere dich: Bei der Schöpfung des Menschen ist es Gott, der dem Adam seinen Atem einhaucht – und dadurch kommt er zum Leben.

Iris: Und wenn Jesus als Auferstandener seinen Jünger anhaucht, dann gibt er ihnen sein neues Leben weiter?

Basilius: So ist es.

Iris: Kann man dann nicht sagen, dass der Heilige Geist auch ein Geschenk des Vaters ist, des Schöpfers?

Basilius: „Der Heilige Geist ist das Geschenk Gottes, das in der Dreieinigkeit aus dem gemeinsamen Herzen des Vaters und des Sohnes strömt. Er ist das Überfließen des göttlichen Lebens in die heilige Menschlichkeit Jesu und von dort aus in uns alle, seine Glieder.“[3]

Iris: Kann ich mir dann vorstellen – weil wir Menschen das mit der Vorstellung offenbar brauchen – dass ich mit jedem Atemzug auch den Geist Gottes in mich aufnehme?

Basilius: Es ist sogar gut, dass bewusst zu tun! Stell dir vor, wie dein ganzer Leib, dein ganzes Wesen mit diesem guten Geist Gottes erfüllt wird. Und beim Ausatmen kannst du, wie es ja auch mit der Luft tatsächlich geschieht, dir vorstellen, dass du alles weniger Heilige und Unheilige aus dir ausatmest, um neuen Raum zu schaffen für den Heiligen Geist.

Iris: Das will ich gern versuchen.

Basilius: „Der Heilige Geist ist uns geschenkt und doch wartet er immer darauf, empfangen zu werden, sodass er sich uns wieder und vollständiger schenken kann.“[4] Er will immer neu in uns Wohnung nehmen und immer tiefere Schichten in uns mit seinem göttlichen Leben durchdringen. Mit der Übung des Atems gibst du ihm immer mehr diesen Raum.

Iris: Und woran merke ich, dass der Heilige Geist in mir ist?

Basilius: Die Erfahrung seiner Gegenwart ist kein Gefühl, auch kein Wissen, es ist eher eine Wahrnehmung, ein Glaube, das Vertrauen in die Verheißung des Auferstandenen.

Iris: Vorhin hast du gesagt, dass wir ihn haben, können wir nur dadurch „beweisen“, dass wir ihn weitergeben.

Basilius: Du wirst spüren, wenn er dich drängt, ihn weiterzugeben – auf verschiedenen Wegen der Liebe, der Hingabe, der Ermutigung, des Trostes, des Zeugnisses…. Vielleicht hast du das ja schon mal erfahren, dass du in einer Situation, die dich eigentlich selber überfordert hätte, etwas tun oder sagen konntest, von dem du spürtest: Das bin jetzt nicht ich, das spricht jetzt ein anderer durch mich.

Iris: Das erinnert mich an die Aufforderung Jesu, nicht auf die eigene Weisheit zu vertrauen sondern darauf, dass uns im rechten Augenblick eingegeben werden wird, was wir sagen sollen. Ist es das?[5]

Basilius: Ja, das ist es auch.

Iris: Jetzt sehe ich, dass es sehr gut zu Ostern passt, dass wir über den Heiligen Geist sprechen: Er ist das Geschenk des Auferstandenen – und die Zeit auf Pfingsten hin gibt mir Gelegenheit, bewusst einzuüben, dass ich ihm Raum gebe: Durch meinen Atem.

Basilius: Das ist eine sehr gute Idee – und ich wünsche dir und allen Leserinnen und Lesern die Fülle des Geistes dafür!



[1] Joh 20,22

[2] ebenda

[3] Thomas Keating

[4] Thomas Keating

[5] Vgl. Mt 10,19