Das Hegner Mariengebet

Maria, lenk unsere Augen

auf die Herrlichkeit Gottes: auf Jesus Deinen Sohn,

auf das Kind in Deinen Armen,

auf den Mann,

der nichts hatte, um den Kopf darauf zu legen;

auf das Kreuz, zu dem Du standest,

auf den Toten, der Dir in den Schoß gelegt wurde;

auf das Geheimnis, das auch Deinen Glauben forderte.

Maria, lass uns still werden und leise,

damit wir die Gegenwart Gottes erspüren

hier und jetzt,

den Anruf Gottes hören

und den eigenen Namen,

verfügbar werden und leer wie ein Gefäß.

Maria, lehr unsere Hände, sanft zu sein und zärtlich,

behutsam mit den Schwachen,

einfühlend mit den Leidenden,

gütig und hilfsbereit.

Maria, unser Herz sei wie das Deine:

Ein Tempel Gottes,

ein heiliger Ort, den Gott bewohnt;

eine Monstranz, in der sich die Güte Gottes zeigt,

ein Schoß, in dem Gott auf seine Geburt wartet;

ein Raum, in dem Gottes Wort hin- und her bewegt wird.

Maria, lass uns unter dem Kreuz stehen

und prophetisch die Liebe Gottes leben und bezeugen,

das Erbarmen, das allen gilt:

vor allem den Kleinen und Schwachen

und denen, die schuldig geworden sind.

Lass uns den Glauben in die Welt tragen,

dass die Vergebung Gottes

größer ist als das Versagen der Menschen.

[A. Rotzetter OFMCap]

 

ChristImpulse

für das Leben in „Nazaret“ im Alltag


· Gebet der liebenden Aufmerksamkeit:

Für welche kleine Freude kann ich heute Gott danken?


· Gebet des Aufblicks:

Gott, lass mich heute deine Gegenwart in meinen alltäglichen Arbeiten erfahren.


· Nachspüren:

Gibt es Zeiten der Stille in meinem Tagesablauf?


· Entdecken:

Welches Wort aus der heiligen Schrift kann mich heute durch den Tag begleiten?

 

 

Nazaret! ? „Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ (Joh 1, 46)

Nazaret – das ist ein kleiner, unbedeutender Ort, ein Dörfchen in einer Talebene etwas nördlich der Jesreel-Ebene inmitten der Hügel Untergaliläas.

Nazaret – ein Ort, der wirtschaft-lich und verkehrstechnisch dem nur 5 km entfernten Sepphoris unterlegen war. Denn letzteres wurde vom römischen Statthalter Gabinius (55-57 v. Chr.) zur Pro-vinzhauptstadt Galiläas gemacht.

Nazaret – der Ort, an dem Maria den Besuch des Engels bekam und „Ja“ sagte zum Plan Gottes, Mutter Gottes zu werden.

Nazaret – der Ort, an dem Jesus seine Kindheit verbrachte.

Nazaret – seit der Antike Pilgerziel für Christen aus aller Welt.

 

Iris: Sei gegrüßt, Maria!

Maria: Grüß dich, Iris. Schön, dich wieder zu sehen! Ich freue mich immer auch auf alle ChristImpuls-Leser!

Iris: Maria, heute geht es um Nazaret.

Maria: Oh, schön! Nazaret – das habe ich geliebt; diese kleine Ortschaft.

Iris: Warst du gerne dort?

Maria: Ja. Aber nicht nur des Ortes wegen. Nazaret ist ja eine kleine, unbedeutende Stadt und, nun ja, nur mäßig schön. Enge Gassen und wie das halt so ist.

Iris: Was verbindest du dann mit Nazaret?

Maria: Du liebe Güte, Iris! Auf diese kurze, einfache Frage könnte ich dir einen Vortrag als Antwort geben.

Iris: Nur zu, Maria! Ich bin gespannt.

Maria: Also, mal der Reihe nach. In Nazaret habe ich meine Kindheit verbracht. In Nazaret war der Besuch des Engels mit ganz großen Konsequenzen für mich – eigentlich hat das mein ganzes Leben völlig verändert.

Von Nazaret aus habe ich einige größere Reisen unternommen: in das Bergland von Judäa zu meiner Verwandten Elisabeth, nach Betlehem; immer wieder sind wir nach Nazaret zurück gekehrt.

In Nazaret habe ich einen großen Teil meines Lebens verbracht – den Alltag so zu sagen. Das alltägliche Leben mit Josef und Jesus zusammen. Das alltägliche Leben zusammen mit dem Sohn Gottes.

Iris: Maria, am meisten würde mich dein alltägliches Leben in Nazaret interessieren.

Was war denn für dich Alltag?

Maria: Alltag – das heißt für mich: alle Tage hat man Aufgaben und Pflichten, die meist gleichbleibend sind. Wasser holen am Brunnen – dort treffe ich Frauen, immer die gleichen, man spricht mit einander. Für das Essen sorgen, die Wäsche, das Haus.

Iris: Und – wie ging es dir damit? Fandest du das manchmal langweilig oder anstrengend?

Maria: Iris, ich meine hinter deiner Frage mehr zu hören. Möchtest du sagen, dass für dich/euch der Alltag manchmal schwer ist, langweilig, anstrengend, dass man aus dem Alltag entfliehen möchte?

Iris: Ja, da hast du Recht. Alltag hört sich so nach eintönig an. Kennst du das nicht?

Maria: Doch, natürlich. Vor 2000 Jahren war der Alltag nach heutigen Kriterien wahrscheinlich noch viel eintöniger und anstrengender.

Iris: Und wie bist du damit umgegangen?

Maria: Ich habe gelernt, dass der Alltag das eigentliche Leben ist. Die wesentlichen Dinge spielen sich im alltäglichen ab. Das Leben besteht nicht aus Highlights …

Iris: Das sagst ausgerechnet du, Maria? Du hattest doch so viele Höhepunkte und außergewöhnliche Momente. Allein schon, dass du mit dem Sohn Gottes unter einem Dach gelebt hast.

Maria: Ich verstehe, was du meinst, Iris. Ich habe Jesus gesehen, gehört, hab ihm vieles beigebracht und hab viel von ihm gelernt. Zum einen möchte ich dir sagen, dass die täglichen Arbeiten und das Sorgen deswegen trotzdem da war und jeder von uns seiner Aufgabe nach ging, auch Josef. Zum anderen, und das ist jetzt ein bisschen provokant: das habt ihr auch! Jesus ist auch heute unter euch da!
Iris: Erwischt! Ja, ich gebe zu, du hast recht. So habe ich das nicht gesehen. Eigentlich könnten wir auch mit Jesus „unter einem Dach“ leben.

Maria: Ja. Vielleicht verstehe ich, was hinter deiner Frage steht. Alltag, das heißt weniger, was wir tun ist entscheidend als wie wir etwas tun. Habe ich das nun verständlich ausgedrückt?

Iris: Vielleicht möchtest du es ein bisschen genauer erklären?

Maria: Jeder von uns, von euch ist in eine konkrete Situation hineingestellt. Familie, Beruf, Schule, das Aushalten einer Krankheit, … Meist kann man an diesen Gegebenheiten nur bedingt etwas ändern. Ich hatte es mir ja auch nicht ausgesucht, in Nazaret zu leben. Die Gefahr ist, dass man sich denkt, wenn ich an einem anderen Ort sein könnte, eine andere Aufgabe hätte, noch jünger wäre oder schon ein bisschen älter, wenn ich noch dazu ein anderes Aussehen hätte, dann … ja dann wäre alles so viel besser. Solche Gedanken machen uns blind und taub für den Augenblick, für die Gegenwart, für die Möglichkeiten und Geschenke heute und hier. Diese Gedanken führen uns weg aus unserem konkreten Leben.

 

Dann wird aber das, womit ich gerade beschäftigt bin zur Last. Und Gott hat da sowieso keinen Platz.

Iris: Und was würdest du in einem solchen Falle raten?

Maria: In einem solchen Falle können wir darum bitten, dass unsere Hände sanft und zärtlich werden, behutsam, einfühlend, gütig und hilfsbereit. Zuerst mit uns selbst, dann auch mit denen, denen wir täglich begegnen.

Dafür steht für mich Nazaret. Das war auch von mir gefragt in Nazaret und das habe ich dort gelernt: mit sanften, zärtlichen und behutsamen Händen, einfühlend, gütig und hilfsbereit für meine kleine Familie zu sorgen und für jene, denen ich täglich begegne.

Und schon ist jeder Tag spannend, aufregend und bringt unendlich viel Neues und viele Überraschungen.

Iris: Das ist allerdings ein ganz neuer Gedanke. Und wofür steht Nazaret für dich noch?

Maria: Nazaret steht für mich noch für still werden und leise, um die Gegenwart Gottes zu erspüren, den Anruf Gottes zu hören oder wenn er meinen Namen ruft.

Iris: Oh, das klingt ja großartig!

Maria: Ja, Gott ist gegenwärtig im Alltag und dort ruft er meinen Namen. Gott ist gegenwärtig im alltäglichen Nazaret eines jeden einzelnen von euch. Nur wenn wir manchmal still werden in unserem alltäglichen Nazaret können wir ihn auch hören.

Iris: Das wird ja immer spannender. Also, Nazaret, da könnte man auch einsetzen: Dornbirn, Trier, Freiburg, Bludenz, Kißlegg, Satteins, Mödling, Brixen, …

Maria: Ja, genau.

Iris: Und wofür könnte Nazaret noch stehen?

Maria: Nazaret heißt für mich auch noch: Raum und Zeit der Stille, um das Wort Gottes zu hören und es zu bewahren.

Iris: Was meint man mit diesem „bewahren“?

Maria: Genau genommen, also wörtlich übersetzt heißt es: etwas hin- und her zu bewegen. Es meint also, das Wort Gottes im Herzen hin- und her zu bewegen, es ins Herz fallen zu lassen und dort mit ihm zu leben und nicht nur in eine Ecke zu legen.

Iris: Du liebe Güte, das ist auf einmal ein ganz anderer Alltag.

Maria: Iris, ich sehe es dir an, du möchtest noch einmal fragen: Und wofür steht Nazaret noch?

Iris: Erraten, gibt es da noch etwas für dich?

Maria: Ja. Nazaret heißt für mich auch noch: Zeugnis geben von der Liebe Gottes, der Mensch geworden ist und unter uns gelebt hat. Zeugnis geben vom Erbarmen Gottes, das er vor allem den Kleinen und Schwachen zuwendet.

Iris: Maria, vielen herzlichen Dank für die vielen und wunderbaren Gedanken, Anregungen und „Alltagshilfen“!

Maria: Gern geschehen. Jetzt zum Abschluss würde ich gerne eine Frage stellen. Darf ich?

Iris: Klar, natürlich doch!

Maria: Und wofür steht Nazaret für dich???

 

"Unser Leben ist somit ein Versuch,

etwas von jener Torheit der Liebe sichtbar zu machen,

die Christus den Tod am Kreuz,

der Menschheit jedoch die Erlösung gebracht hat."

Mit diesem Satz aus unserer Lebensregel möchte ich beginnen. Mein Name ist Sr. Birgit-Maria. Ich bin Barmherzige Schwester vom heiligen Kreuz und gehöre zur Provinz Baden-Württemberg mit dem Provinzhaus in Hegne. Unser Mutterhaus ist in Ingenbohl (Schweiz). Wir leben nach der franziskanischen Regel – und Franziskus ist ein gutes Vorbild, wenn es darum geht, die Torheit der Liebe sichtbar zu machen. Für mich selber hieß das ganz konkret, vor vierzehn Jahren meine Arbeitsstelle in einer renommierten Computerfirma, Auto und Wohnung aufzugeben und mit 31 Jahren ins Kloster einzutreten. Ich spürte, dass ich seit langem auf der Suche nach „Mehr“ war – und dieses „Mehr“ in der Nachfolge Jesu als Ordensfrau finden durfte. Es war nicht leicht, vieles aufzugeben und auf manches zu verzichten, aber die Erfüllung, die ich in dieser Lebensform erahnte, war stärker. Und heute kann ich sagen, dass ich diesen Schritt immer wieder tun würde – es lohnt sich! Torheit der Liebe…

Heute arbeite ich als Referentin für Berufungspastoral an der Diözesanstelle Berufe der Kirche und darf junge Menschen auf ihrem Suchweg begleiten. Diese Aufgabe ist sehr schön und mein eigener Weg hilft mir sehr, die jungen Menschen zu verstehen. Ich lebe mit drei Mitschwestern im Priesterseminar. Beratungsgespräche und Informationsveranstaltungen zu pastoralen Berufen einerseits und Glaubensvertiefungsangebote wie Wallfahrten, Freizeiten, aber auch wöchentliche und monatliche Angebote bei uns im Konvent andererseits machen diese Arbeit neben geistlicher Begleitung sehr vielfältig und vielschichtig.

Bei allem, was ich tue, ist Jesus Christus das Zentrum, der Grund und das Ziel. ER, der uns seine Liebe bedingungslos schenkt, macht dies alles möglich. So ist es das schönste Geschenk für mich, wenn junge Menschen diese Liebe Jesu in ihrem Leben erkennen und so ihren ganz persönlichen Weg mit IHM gehen – in Ehe und Familie, im Orden, als Priester, in einem pastoralen Laienberuf oder einfach als überzeugte(r) Christ(in)!

Sr. Birgit-Maria Krietemeyer

www.dein-weg-bewegt.de